Brixen Dolomiten-Marathon 2019

Laufen. Walking. In Kassel.

Brixen Dolomiten-Marathon 2019

16 August 2019 Berichte 0

81 km, 4.728 Höhenmeter hoch, 4.728 Höhenmeter runter. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Daran, nämlich am Dolomiten Ulratrail, konnte man zusammen mit einem Laufpartner zum 10. Jubiläum des Brixen Dolomiten Marathons Anfang Juli teilnehmen, wer sich dazu berufen fühlte.

Ich nicht. Mir reichte der ganz normale Marathon, da brauchte ich auch nicht mitten in der Nacht aufzustehen, sondern konnte morgens um 7:30 auf dem Brixener Domplatz bei bestem Laufwetter mit rund 480 anderen Läufern aus 32 Ländern (von den USA bis Australien, von Island bis Ägypten) in aller Ruhe starten. 42 km, ca. 2.450 Höhenmeter hoch, ca. 500 runter, das fand ich bei meiner ersten Teilnahme im letzten Jahr schon beeindruckend genug. 

Wie es dazu kam, sei kurz erzählt: Ganz spät abends war’s, bei einem Glas Rotwein (oder waren es zwei?), da hatte ich mir gedacht, wie schade es doch ist, dass ich mich nicht für den Jungfrau-Marathon hatte anmelden können und ob es da nicht noch einen anderen schönen Berglauf gibt. Und da habe ich die fantastischen Fotos vom Brixen-Marathon im Internet gesehen – und mich einfach angemeldet, noch an demselben Abend – Bilder gesehen, angemeldet! Mitte Mai war das, für einen Lauf Anfang Juli, nachdem ich mit Ach und Krach gerade überhaupt erst einen Marathon geschafft hatte. Da war natürlich noch ein bisschen Training angesagt. Und natürlich die Frage: Wo kann ich bei dem Lauf aussteigen, wenn ich das gar nicht schaffe? Und natürlich: Wie komme ich überhaupt dazu, mich dafür anzumelden?

Und jetzt, in diesem Jahr? In aller Ruhe starten? Ja, denn der Lauf war im letzten Jahr schon toll. Man braucht viel Zeit für den Lauf, natürlich eine gute Vorbereitung, aber dann ist das auch für einen wie mich gut zu schaffen und für viele andere auch. Und wenn das Wetter stimmt, ist das nicht nur anstrengend, sondern auch zu genießen. – Auch dank der tollen Stimmung vom Start bis zum Ziel auf der Plose, dem Brixener Hausberg, dank der vielen Helfer, die für eine optimale Versorgung am Weg sorgen, auch wegen der Gespräche mit den Mitläufern und immer wieder auch wegen der tollen Aussichten, vor allem dem Panoramablick auf die Zinnen.

Die ersten vier Kilometer beginnen flach, anfangs durch die Brixener Altstadt, dann über die Eisack-Brücke. Aber schon kurze Zeit später beginnen die ersten, doch ziemlich steilen Anstiege. Auf 12 km gilt es rund 1000 Höhenmeter zu bewältigen und das über weite Strecken besser wandernd. Denn wer nicht zu den paar Freaks gehört, die den Lauf am Ende unter fünf Stunden schaffen (es waren trotz des internationalen Teilnehmerfeldes nur 35), ist ein zügiges Wandern bei Steigungen von 10-15 % effektiver, auch schonender – es kommen ja noch ein paar Kilometer. Auf diesen ersten steileren Kilometern geht es viel durch den Wald, auf Wirtschaftswegen oder auch auf guten Wanderwegen, auch mal auf der Straße, nichts Schwieriges, was das Gelände angeht.

Von Kilometer 16 bis 21 kann man gut laufen, schöne Wege, teils leicht bergab, teils bergauf, aber nicht zu steil. Für den Halbmarathon brauchte ich, genau wie im letzten Jahr, ungefähr 2:40 h und das ist angesichts der Höhenmeter gar nicht einmal so langsam. Nach gut der Hälfte der Strecke beginnen dann aber die Trail-Passagen, schmalere Wege, bei denen man nicht gut überholen kann, weshalb die Veranstalter auch das Teilnehmerfeld begrenzt haben. Das lässt sich gut wandern, teils auch laufen, aber die Wege sind holpriger, teils steinig, teils mit Übergängen, bei denen man aufpassen muss. Das galt in diesem Jahr besonders, denn ab ca. 10 Uhr war es doch sehr warm und gerade, als es auf die schwierigeren Passagen ging, ließ gleichzeitig meine Konzentration schon nach. Also hieß es für mich: vorsichtig laufen, lieber einen Kilometer mehr wandern, als ursprünglich geplant, und lieber mal den Ausblick in die Landschaft genießen, als sich unfreiwillig in die Büsche zu legen. 

Trotzdem bin ich mal falsch aufgekommen, ungefähr bei Kilometer 30, ein Stich im Rücken und so hieß es die nächsten vier Kilometer, die eigentlich locker laufbar waren, schön langsam anzugehen in der Hoffnung, dass der Schmerz wieder nachlässt, was dann glücklicherweise auch der Fall war – wenn nicht, hätte ich bei Kilometer 34, wo die Familie bei der Bergstation der Seilbahn schon auf mich wartete, den Lauf einfach abbrechen können. Wäre auch kein Problem gewesen, auch keine Schande, haben einige gemacht. – Und wenn es einem dort nicht mehr gut geht, sollte man das auch tun, denn was ab km 34 noch kommt, ist der schwierigste Teil der Strecke.

Zunächst 5 km schönste Trailstrecke („Alpinsteig“), zwar ein bisschen hoch und runter, aber frisch und mit guter Konzentration auch gut laufbar, was ich diesmal eigentlich versuchen wollte. Aber angesichts der Temperaturen und der nachlassenden Konzentration bin ich doch wieder mehr gewandert und habe einige Mitläufer ziehen lassen. Manche von ihnen habe ich dann nach km 39 wiedergesehen, auf dem ganz steilen Teil kurz vor dem Schluss des Marathons. 

Da steht man unten an der Ochsenalm und sieht hoch zum Gipfelkreuz des Telegraphen (2486 m) – 400 m höher – und die lockere Reihe der Läufer macht einem klar: Da geht’s jetzt noch rauf. Schritt für Schritt. Die Gespräche werden weniger. Die Luft zwar frischer, der Schweiß fließt trotzdem in Strömen. Aber sobald man oben ist, hat man es eigentlich schon geschafft. Dann kann man noch was trinken an der letzten Verpflegungsstation und locker – wie’s halt geht – den letzten Kilometer ins Ziel einlaufen. Diesmal war das bei mir nach 6:45 Stunden, als insgesamt 287., noch einmal ein bisschen langsamer als das letzte Mal. Macht aber nichts. War wunderschön. Und oben wurde ich schon von Gabi und Aaron erwartet, die mit Seilbahn und kleiner Wanderung vor mir angekommen waren. Ein schönes Finishershirt und eine Medaille gab’s zu Belohnung – und natürlich einen wunderbaren Ausblick auf die Berggipfel ringsumher und ins Tal.

Einen ausführlichen Laufbericht mit ganz vielen Fotos von Anton Lautner mit dem Titel „Do legst di nieder“ gibt es hier: https://www.marathon4you.de/laufberichte/brixen-dolomiten-marathon/bilder-vom-10-brixen-dolomiten-marathon/3898 

Und hier gleich schon ein paar Fotos, zum Teil von 2018 von den Profi-Fotografen von Sportograf (da hab’ ich noch das Jubiläumsshirt an), die Panoramafotos sind zum Teil von Aaron. Und wer sich jetzt denkt, Bilder gesehen, gleich anmelden … Also ich wär’ vielleicht noch Mal dabei, gern auch als Teil einer Zweierstaffel. Wird nämlich auch angeboten: Zweierstaffeln und Viererstaffeln, ein prima Angebot für alle, denen der ganze Marathon dann doch zu viel ist. Nur Mut: Durch die Abwechslung zwischen Wandern und Laufen ist dieser Marathon, so mein Gefühl, viel weniger anstrengend als jeder Stadtmarathon.

Frank