Zwei TGWler bei der Harzquerung

Am Samstag, den 28. April 2018 fand die 39. Harzquerung statt, von Wernigerode nach Nordhausen. Norbert beanspruchte für sich diesmal keine Teilstrecke sondern lief die gesamte Strecke von 51 km.

Der Tag begann für uns (Angela und Norbert)sehr früh. Wir mussten erst einmal 150 km nach Wernigerode bewältigen und Norbert anmelden, bevor um 8:30 Uhr der Startschuss fiel. Pünktlich wurden die 520 Starter der Langstrecke und 72 Starter der 25 km Teilstrecke auf den Weg geschickt.

Der erste Anstieg aus Wernigerode heraus ist 3,5 km lang mit 250 Hm. Von da an gestaltete sich die Strecke in einem ständigen auf und ab, wobei man fleißig Höhenmeter sammelte. Angela stand das erste Mal in der Nähe von Elbingerode bei km 7. Am VP 1, km 11,5, verpassten wir uns ganz knapp, da Angela durch eine Baustelle aufgehalten wurde.

Bei VP 2, km 20, teilten sich die Strecken und die 25kmLäufer liefen ins Ziel Richtung Benneckenstein. Von hier startete auch Stefan auf seine 28 km Teilstrecke. VP 3, km31, stand Angela das vierte Mal an der Strecke und zu meiner Überraschung warteten hier auch Ulla und Lothar.

Von hier aus ging es erst mal wieder bergab zum Bahnhof Netzkater bei km 35. Nun ging es 4 km stetig bergan auf den Poppen Berg, der die höchste Stelle der Strecke war. Dieser Anstieg zog einem die letzten Reserven aus den Beinen, so dass selbst der Abstieg nach Neustadt nicht mehr locker gelaufen werden konnte. Hier befand sich die bei km 43 die letzte Verpflegungsstation, bei der auch Angela, Ulla und Lothar auf mich warteten.

Die mittlerweile 1200 Hm auf und ab durch den Harz machten sich mit schweren Beinen und Krämpfen in den Beinen bemerkbar. Die letzten 7 km waren ein Wechsel von laufen und gehen. So kam ich nach 6:26:26 Std. gehend, im Albert-Kuntz-Stadion, in Nordhausen, an. Ich war glücklich, die 51 km geschafft zu haben.

Fazit für mich ist, sollte ich so eine Strecke noch mal in Angriff nehmen, muss ich die Vorbereitung ausweiten. Aber die Streckenführung zu 90 % auf Trail Pfaden und das hervorragende Wetter entschädigten für die Mühen. Einen Dank auch an Angela, die mich durch die Anwesenheit an der Strecke sehr motiviert und unterstützt hat.

2. Teilstrecke: Von Benneckenstein nach Nordhausen.

Für uns, Ulla, Lothar und Stefan, begann die Anreise in den Harz etwas entspannter. Bei bestem Wetter fuhren wir gegen 8:30 Uhr in Kassel los mit dem Ziel Benneckenstein, dem Start für die 28 km Teilstrecke der Harzquerung.

Ulla und Lothar, die diesmal selbst nicht zum Laufen wollten, kümmerten sich um den Transfer in den Harz und zurück und wollten Nobert und mich an der Strecke (Sophienhof, B81 und Neustadt) kräftig anfeuern und bei Bedarf zusätzlichen Support geben. Meine anvisierten Zwischenzeiten trug ich sehr optimistisch in den Streckenplan ein.

In Benneckenstein angekommen waren wir von der entspannten und familiären Atmosphäre angetan. Alles wirkte sehr unaufgeregt und ohne viel Tamtam. Gespräche mit anderen Läufern in der Sonne verkürzten die Zeit bis zum Start.

Die opulente und deftige Zielverpflegung mit Schmalz-, Blutwurst- und Mettwurstbrötchen u.a. – Benneckenstein ist ja auch das Ziel für die 25-km-Läufer aus Wernigerode – steigerte nochmals die Vorfreude auf Nordhausen.

Kurz vor dem Start erfolgte die Durchsage, dass diejenigen, die heute unbedingt noch nach Nordhausen laufen wollen, sich an der Kreidemarkierung in der Kurve einfinden sollen. So begab sich ein Tross von rund 80 Läuferinnen und Läufern zur genannten Markierung. Uneingeweihte hätten die Startmarkierung leicht übersehen oder für ein Überbleibsel der letzten Kindergeburtstags-Schnitzeljagd halten können. Am Start wurde gewitzelt und viel gelacht, Anekdoten ausgetauscht, ein letztes Mal die Taktik mit den Mitläufern besprochen, sich verabschiedet und gleich wieder verabredet. Ulla und Lothar hatte ich derweil aus den Augen verloren. Der Startschuss erfolgte pünktlich; von hieran ging es bergauf!

Hinter der ersten Kurve am Hügel hörte und sah ich die beiden wieder. Kurz verabschiedet und für Sophienhof verabredet.

Wir hatten Benneckenstein bald hinter uns gelassen. Auf breiten Forstwegen ging es weiter. Nach rund 6 km gesellten sich die Ultra-Läufer zu uns. Am ersten längeren Hügel zog sich das Feld etwas auseinander. Weiter ging es auf Waldwegen und schmalen Trails bergauf und auch mal steil bergab. Ein paar Mal kamen die Hände zum Einsatz.

Endlich, sah ich an der Bahnstrecke das Schild Sophienhof – der erste Verpflegungspunkt. Bei diesem Wetter wäre ein Getränkegürtel sicherlich hilfreich gewesen. Die ersten Häuser kamen in Sicht und ich freute mich Ulla und Lothar wieder zu sehen. Getränke und Verpflegung waren sehr vielfältig und vorwiegend deftig.

Hinter Sophienhof kam für mich der schönste Streckenabschnitt: auf schmalen Trails ging es stetig bergab Richtung Netzkater. Hin und wieder überholte ich mit „Vorsicht links“ Wanderer. An der B81 hörten und sahen wir Ulla und Lothar – meine Mitläufer freuten sich ebenfalls von den beiden angefeuert zu werden.

Am Bahnhof Netzkater fanden Kundige ein WC und kühles Leitungswasser. Hinter dem Bahnhof kam eine 180°-Kurve. Ich machte mich zügig weiter, um den Anschluss an die Lauf-Gefährten wieder aufzuholen. Unnötig, ab hier wurde gegangen. Der rund 4 km lange Anstieg zum Poppenberg hatte begonnen. Auf wunderschönen Waldwegen ging es konstant 300 Höhenmeter bergauf. Oben angekommen, trank ich reichlich, legte mich lang ins Gras und freute mich. Ich blieb noch etwas länger liegen, als ich mich tatsächlich freute. Der Aufstieg auf den Aussichtsturm war für mich keine Option. Genauso so steil, wie wir bergan marschiert sind, ging es noch weiter runter.

In Neustadt warteten Ulla und Lothar und feuerten uns erneut an – das gab nochmal Motivation. Übrigens, sehr schön in Neustadt. Ein kurzer Stopp am Verpflegungspunkt und weiter „ging“ es den letzten Hügel rauf. Oben auf der Lichtung glaubte ich tatsächlich Nordhausen zu sehen.

Die letzte Verpflegungsstation kam in Sichtweite, ein Blick auf die GPS-Uhr und subtrahiert: rund 2 km! Herrlich, nochmal was Trinken, und dann der Zieleinlauf, dachte ich.

Als ich das Schild mit der Aufschrift „nur noch 4 km“ sah, kamen mir auch andere Gedanken. Der Weg von mir ging nicht wirklich bergab und zwischen mir und Nordhausen lag wieder ein Hügel. Mein neuer Mitläufer hatte sich ebenfalls auf sein GPS verlassen. Als Schicksalsgemeinschaft erklommen wir den wirklich allerletzten Hügel. Oben angekommen, lag Nordhausen sprichwörtlich vor unseren müden Füßen. Wir folgten dem schmalen Trampelpfad entlang des Hügelkamms runter Richtung Ziel. Mit dem Ruf „Vorsicht links“ überholte ich noch einige Wanderer. Die sind die 51 km Strecke gewandert, Respekt.

Eine Wanderin rief uns zu: „Ihr seht noch so frisch aus…“ Das gab Schub bis zur nächsten Gehpause. Die Wechsel zwischen Laufen und Gehen wurden kürzer. Ich rechnete in Metern, bis zum nächsten Schild, bis zur nächsten Kurve…

Von weitem hörte ich das Jubeln im Ziel, das spornte mich an wieder zu laufen. Der Sportplatz kam in Sicht, die letzte Kurve und dann die Zielgerade. Ich erblickte Lothar an der Ziellinie, der mich ein letztes Mal anfeuerte. Die letzten 100 m, 50 m, geschafft.

Im Ziel traf ich auch endlich Angela und Norbert. Ich war gespannt, wie Norbert die 51 km gemeistert hatte, wir wollten ja eigentlich die lange Strecke zusammen laufen.

Bei alkoholfreiem Bier und Obstsalat genossen wir, Angela, Lothar, Norbert, Ulla und ich den restlichen Nachmittag in Nordhausen.

Für mich war die Harzquerung eine sehr gelungene Laufveranstaltung. Hier hatte angefangen bei der Organisation, den Helfern, der Strecke, der Teilnehmerzahl alles gestimmt.

Ich kann mir gut vorstellen hier nochmal zu laufen. Allerdings mit besserer Vorbereitung – und nochmals vielen lieben Dank an Ulla und Lothar.

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