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  • Keine Termine.

Bericht von meinem ersten Marathon Adventmarathon Twistesee 02.12.2017

Eigentlich hatte alles ganz harmlos angefangen. Im September war’s, als ich mich auf meinen ersten Halbmarathon vorbereitet habe. Ich wollte nur zwei Stunden bei nicht allzu hohem Puls laufen, damit ich beim Kassel Halbmarathon genug Puste habe. Und an diesem schönen Samstagvormittag traf ich dann auf dem Rückweg am Fuldaufer die Samstagsläufer und Klaus rief mir zu, ich solle noch ein bisschen mitlaufen. Sie wussten es nicht und ich hatte nicht darauf geachtet, dass ich schon 17 Kilometer hinter mir hatte und so kam’s, dass beim Erzählen irgendwann die Laufuhr unterwegs unerwartet 30 Kilometer anzeigte („Weiteste Distanz“).

Hätte ich mir gar nicht zugetraut und ausgemacht hatte es mir auch nicht viel. So kam ich auf die Idee, doch mal einen Marathon zu laufen, obwohl ich immer gesagt habe, dass ich sowas nicht könne (bis vor zwei Jahren habe ich aber auch immer behauptet, dass Laufen nichts für mich ist). Also habe ich nachgesehen, was es da in der Region so gibt, und kam auf den Adventsmarathon in Bad Arolsen. Eine eher kleinere Veranstaltung, quer durch die heimischen Wälder, so ein bisschen hoch und runter, und am 1. Advent auch vermutlich eher nicht zu heiß, also vielleicht genau das Richtige für mich.

Tja, da fehlte nur noch die Vorbereitung dafür. Das hieß aber: alle zwei Wochen zweieinhalb bis drei Stunden laufen – und diese Stunden können ganz schön lang werden. Gut, dass mein Nachbar auch in Bad Arolsen mitlaufen wollte und so konnten wir ein paar dieser langen Läufe zusammen hinter uns bringen (der erste davon dauerte sogar über vier Stunden, weil Dominik mir mal „eine schöne Runde“ zeigen wollte – über den Herkules und den Dörnberg; das waren dann am Ende 1000 Höhenmeter und 34 km).

Übungslauferprobt und mit jeder Menge Zahlen im Kopf (Wo sind die Anstiege? Welche Strecke will ich bis wann geschafft haben?) kam ich also an den Twistesee. Die Wetterberichte ließen lange nichts Gutes hoffen, Schnee und Eis schienen eher wahrscheinlich und am Morgen stimmte uns dann der Veranstalter auf Probleme auf dem Weg ein. Knöcheltiefes Wasser auf dem Weg, Forstmaschinen, Spurrillen. Aber genau zum Start klarte der Himmel auf, die Forstmaschinen waren verschwunden, bis wir ankamen, und das knöcheltiefe Wasser gab’s zwar, aber nur auf einer Strecke von gut zehn Metern und man konnte bequem daran vorbeilaufen. Sonnenschein, verschneite Winterlandschaft, ordentliche Laufwege ohne Eis und Schnee, alles wunderbar.

Angela und Norbert waren zur Unterstützung da, was ich, wie sich zeigen sollte, noch gut brauchen konnte. Silke, Christian und Lothar waren auch am Start. Silke auch bei ihrem ersten Marathon (muss sie auch mal davon berichten, nachzufragen war ich nach dem Lauf unhöflicherweise nicht mehr in der Lage). Christian und Lothar machen sowas dagegen, wie ich gehört habe, praktisch ständig, gut gelaunt und mühelos.

Also ging’s los um 10:30. Ein paar Kilometer am Twistesee entlang und dann rein in den Wald, ein paar Höhenmeter etwas steiler, dann wellig. Nach 14 Kilometern ging’s dann sogar mal zwei Kilometer bergab bis nach Landau, wo es den ersten Verpflegungsstand gab, also nicht nur Wasser und Tee, sondern auch Plätzchen und Kekse und sonstige Leckereien, wovon ich allerdings nichts mitbekommen habe.

Und immer wieder, jeweils nach ein paar Kilometern, standen da Angela und Norbert mit dem Fotoapparat und aufmunternden Zurufen. Ich weiß gar nicht, wie sie das geschafft haben, immer wieder an den nächsten Punkt zu kommen. Zauberei vermutlich.

Bis Kilometer 21 lag ich noch ganz gut im Plan, denn da hatte ich in etwa die Hälfte der Strecke und mehr als die Hälfte der Höhenmeter hinter mir und das nach etwa zwei Stunden. Damit war ich sehr zufrieden, zumal sich die Beine noch gut anfühlten, die Stimmung auf der Strecke einfach nett war; und dass mich manchmal Leute überholt haben, die kostümiert waren oder mit Hund liefen, fand ich gar nicht störend.

Störend fand ich dagegen eher, dass die Beine langsam doch ein bisschen schwer wurden. Aber noch ging’s. Bei Kilometer 28 war ich auch noch ungefähr im Plan. Und ich wusste ja, dass es ab Kilometer 31 nur noch bergab geht und zum Schluss nur noch ein paar Kilometer im Flachen. Schon vor dem letzten kleinen Anstieg waren die Beine dann doch schwer, weshalb ich das kurze steilere Stück gegangen bin. Danach war es aber auch nicht besser: die Beine schwer, der Läufer langsam. Bei Kilometer 30 habe ich dann meine leere Wasserflasche in einen Mülleimer geworfen. Statt entspannt und zügig gings dann sechs Kilometer schwerfällig und langsam den Berg runter.

Gefühlt wurde ich noch von 300 Läufern überholt, obwohl nur gut 200 am Start waren (seltsam). Mit 5:30 bis 6:30 die Berge hoch, mit 7:30 runter, das war ja gar nicht mein Plan. Aber so war’s. An die vier Stunden als Ergebnis war nicht mehr zu denken. Naja, nach 33 Kilometern lassen sich dann ja doch die restlichen Kilometer, auch bei wenig Sauerstoff im Kopf, langsam (langsam!) noch runterzählen. Den Schnaps an der Verpflegungsstelle bei Kilometer 38 habe ich lieber nicht angenommen, die Twiste ist an der Stelle zwar eher klein, aber ich glaube aus diesem Gewässer hätte man mich nach der Schnapsverköstigung rausziehen müssen. – Schließlich habe ich die restlichen Kilometer doch noch geschafft. Mit 4:28, geht eigentlich.

Am Ziel wurde ich wieder freundlich empfangen, von Angela, Norbert und Anja, der Frau Dominiks, der schon 25 Minuten früher angekommen ist – obwohl er älter ist als ich, kaum Zeit hatte zu trainieren und dazu auch noch raucht (raucht! unfassbar!). Was sagt man dazu? Naja, erstmal eine Suppe essen in der Twisteseehalle, noch was trinken, mich von Angela, Norbert, Silke, Christian und Lothar verabschieden und mich dann mit Dominik von Anja nach Hause fahren lassen.

Nach einer dreiviertel Stunde im Auto kam dann der schwerste Teil: aussteigen aus dem Auto, das kann so schwer sein, und dann 83 Treppenstufen hoch (83!), das war heftig. Marathon ist einfach zu viel für mich. Mein Sohn fragt, ob ich am Sonntagmorgen bei der Winterlaufserie in Ahnatal mitlaufe. Ganz bestimmt nicht! Erstmal zwölf Stunden schlafen oder 16.

Und morgens dann zunächst die Gelenke einzeln aus dem Bett wuchten. Die ersten Schritte ins Bad: gar nicht einfach, dann noch ein paar Schritte in der Wohnung, Kaffee trinken. Ja, ich komme mit, guck mal, wie Du die fünf Kilometer läufst.

Meine Klamotten hatte ich sicherheitshalber auch mal mitgenommen, wer weiß. Ich bin dann doch mitgelaufen, langsam, fünf Kilometer durch den Schnee. War auch schön.

Gibt’s im Frühjahr nicht auch den Bilstein-Marathon? Will da noch jemand von der TGW mitlaufen?

Frank

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